Assange lebt abgeschottet in der ecuadorianischen Botschaft in London – zumindest fast. Ecuador überwacht ihn und fand heraus: Der Wikileaks-Gründer kann das Hacken nicht lassen.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studion London

Das kleine Andenland Ecuador lässt sich die Überwachung ihres prominenten Botschaftsgastes, Julian Assange, etwas kosten: monatlich umgerechnet 56.000 Euro. Allein zwischen Juni 2012 und August 2013 fiel für die verdeckte Aktion unter dem Tarnnamen “Hotel” eine knappe Million Dollar an Kosten an, mehr als 800.000 Euro.

Rund um die Uhr unter Beobachtung
Darin enthalten ist auch die Anmietung einer Wohnung in der Nähe der ecuadorianischen Botschaft, im teuren Viertel Knightsbridge. Von dort überwachen drei Spezialisten einer europäischen Sicherheitsfirma, angeheuert vom ecuadorianischen Geheimdienst, Assange rund um die Uhr.

Zu den Überwachungsinstrumenten zählen unter anderem zusätzlich installierte Kameras in der Botschaft. Die seit fünf Jahren laufende Aktion galt zunächst der eigenen Sicherheit Assanges: Alle Besucher, die er in seinem Botschaftsasyl empfing – darunter Politiker, Anwälte, Journalisten und Freunde – wurden umfassend durchsucht. Blumensträuße, die für ihn bestimmt waren, wurden vorsichtshalber entsorgt.

Assange soll sich ins Internet der Botschaft gehackt haben
Seit dem Regierungswechsel in Ecuador überwachen die Spezialisten aber zunehmend Assanges Aktivitäten: Dabei fanden sie heraus, dass er sich in das abgeschottete Internet der Botschaft gehackt hatte und auch geheimes Material der Diplomaten mitlesen konnte.

Im März dieses Jahr schnitt die Botschaft Assange vom Internetzugang ab. Der neue ecuadorianische Präsident möchte den ungeliebten Gast so schnell wie möglich loswerden.