Auch Kanzlerin Merkel hat sich kritisch zum Treffen Erdogan-Gündogan-Özil geäußert. Bundestrainer Löw sagte, es sei “keine glückliche Aktion” gewesen. Die Reaktion aus der Türkei fiel heftig aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich kritisch zu dem Treffen der beiden Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. Es sei eine Situation gewesen, “die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud” sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion.

Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei einem Termin in London Trikots ihrer Vereine überreicht. Von Erdogans Partei veröffentlichte Bilder dieses Treffen lösten den Vorwurf aus, die Spieler hätten Erdogan im Wahlkampf geholfen. Auf die Frage, ob dies auch die Kanzlerin so sehe, antwortete Seibert allerdings nicht. In der Türkei finden am 24. Juni eine Präsidentschaftswahl statt.

Auf Gündogans Trikot mit der Nummer acht stand: “Mit Respekt für meinen Präsidenten.” Er erklärte später, mit dem Auftritt sei keine politische Botschaft verbunden gewesen. “Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen.” An dem Treffen nahm auch der in Wetzlar geborene türkische Nationalspieler Cenk Tosun teil.

Nationalspieler Emre Can lehnte laut “Welt” eine Einladung Erdogans zu dem Treffen in London ab. Der Liverpool-Profi hat ebenfalls türkische Wurzeln.

“Schiefe Verbeugung vor Erdogan”
Auch andere Bundespolitiker äußerten sich kritisch. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, warf den beiden Fußballern in der “Passauer Neuen Presse” eine “schiefe Verbeugung vor Herrn Erdogan” vor. Diese sei “das Gegenteil” der DFB-Kampagne “Wir sind Vielfalt”, die für mehr Toleranz und Respekt werbe, sagte die CDU-Politikerin.

Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, sagte: “Diese Fotos lassen viele Interpretationen zu, auch solche, die von Özil und Gündogan möglicherweise nicht beabsichtigt waren”, sagte sie der “Berliner Zeitung”. Weiter sagte die SPD-Politikerin: “Mitglieder unserer Nationalmannschaften müssen sich jedoch jederzeit über ihre Vorbildfunktion im Klaren sein.” Derartige Aktionen passten “weder zu unserem Wertesystem noch zu den Grundwerten des Sports in unserem Land”.

“Präsident eines deutschen Nationalspielers heißt Steinmeier”
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir hatte bereits gestern gesagt: “Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag.”

Aus den Reihen der Grünen waren aber auch andere Töne zu hören. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sagte bei NDR Info zwar, sie hätte sich sehr gewünscht, dass sich die Spieler nicht für einen Wahlkampf Erdogans einspannen ließen. Merkel aber habe vor zwei Jahren “de facto Wahlkampf für Herrn Erdogan” gemacht: “Wo ist eigentlich die große Empörung, dass sich Altkanzler Gerhard Schröder in der allerersten Reihe bei Putins Vereidigung befindet, dass Herr Seehofer eng mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban befreundet ist.”